Die richtige Schneiderpuppe

Grundlage zum Selbstnähen: Die richtige Schneiderpuppe

Ganz klar: Eine Büste ersetzt natürlich nicht die Anprobe – Doch wer vorhat, einigermaßen passgenaue Kleidung zu nähen, wird vor allem auf Dauer nicht um eine Schneiderpuppe herumkommen. Zu ihren Vorteilen zählt, dass an dieser das Planen und Prüfen von Schnitten, das Drapieren des Stoffs, das zwischenzeitliche Kontrollieren der Arbeit und nicht zuletzt auch das Erstellen von Schnittmustern möglich ist. Wer sich jedoch auf dem Markt nach einem geeigneten Modell umsieht, wird sich wahrscheinlich ein wenig mehr Übersicht und vor allem Beratung wünschen, denn eine Vielzahl von Fragen kann bei der Suche aufkommen: Welche Eigenschaften, Maße und Einstellmöglichkeiten soll die Büste haben? Macht eine verstellbare Puppe Sinn, mit welchen Kosten ist zu rechnen und was mache ich, wenn die Maße nicht mehr stimmen?

Fest oder Verstellbar?

In erster Linie hängt die Entscheidung, ob besser eine starre Büste oder ein Modell mit änderbaren Maßen angeschafft werden soll davon ab, wie viele Näharbeiten mit ihr geplant sind. Wer vorhat, für verschiedene andere Personen zu schneidern, für den ist eine verstellbare Variante ganz klar die passendere Lösung. Soll die Büste hingegen zum Schneidern für sich selbst oder nur einige wenige Arbeiten verwendet werden, bietet sich ein starres Modell eher an. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass es sowohl Menschen gibt, die eher ein konstantes Körpergewicht und daher meist gleichbleibende Maße haben, als auch Personen, die dagegen zu Schwankungen neigen. Unabhängig davon ist in beiden Fällen eine verstellbare Schneiderpuppe zu empfehlen, wenn ein langfristiger Einsatz beabsichtigt wird.

Schneiderpuppe

Wer für die eigenen Kinder schneidern möchte, (Nähbeispiele im Blog von kullaloo.de), hat meist ohnehin nur die Wahl einer festen Puppe. Da es diese jedoch mittlerweile schon häufig vergleichsweise günstig gibt, können diese eventuell für verschiedene Lebensphasen einzeln gekauft werden, sofern oft geschneidert werden soll. So gibt es meist Modelle, die für verschiedene Altersgruppen geeignet sind. Nach dem ersten Lebensjahr steigen diese dann etwa alle zwei Jahre auf, während für Acht- bis Zwölfjährige schon eher durchgängig ein Modell verwendet werden kann – Natürlich variiert das von Kind zu Kind, doch wer bei der Suche auf deren Größen achtet und nochmal nachmisst, findet in der Regel auch etwas passendes.

Maße im Voraus nehmen

Bei der Wahl der Maße für die Puppe sollte die betreffende Person definitiv vermessen werden, damit die Suche nach einer entsprechend großen Büste nicht auf reinen Schätzungen basiert. Die meisten Anbieter geben mittlerweile bei ihren Angeboten auch die einzelnen Umfänge an. Um Überraschungen zu vermeiden, sollten vor allem der jeweilige Brust-, Taillen- und Hüftumfang, die Höhe des Torsos (etwa vom Beckenknochen bis zum Hals) sowie die Schulterbreite nachgemessen werden. Üblicherweise werden die Umfänge in der Form „Brust/Taille/Hüfte“ aufgeführt, wobei diese Werte (z.B. 98/75/104 bei Kleidergröße 40/42) in Zentimetern angegeben werden.

Des Weiteren kann zwischen männlichen, weiblichen und Baby- bzw. Kinder-Torsos unterschieden werden, während manche Hersteller sogar Modelle für das Schneidern von Umstandskleidung anbieten. Wird zusätzlich die komplette Hüfte, sowie der Oberschenkel-Ansatz benötigt, gibt es auch längere Modelle, die verwendet werden können, um z.B. an Unterwäsche arbeiten zu können.

Styropor oder PU-Schaum?

Schneiderpuppe

Während frühere Puppen aus Holz waren, gibt es heute eine häufige Debatte über die Wahl des Büsten-Materials: Das in Deutschland unter der Markenbezeichnung „Styropor“ bekannte Polystrol (EPS) ist preislich meist ähnlich angesiedelt, wie die Modelle aus Polyurethan-Schaum (PU). Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei dem PU-Schaum um ein Material mit harter Oberfläche. Welches Material verwendet wird, ist tatsächlich eher eine Glaubensfrage, da eigentlich auf dem Überzug als Oberfläche gearbeitet wird, wodurch beide Materiale keinen nennenswerten Belastungen ausgesetzt werden. Je nach Ausführung und Verarbeitung bzw. Dicke des Bezugs, kann sich jedoch Styropor etwas besser eignen, um Nadeln an der Puppe selbst zu befestigen, falls dies gewünscht wird.

Wichtig ist auch die Frage, ob der Bezug abgenommen und gegebenenfalls gewaschen werden kann. Wer gerne mit Schneiderkreide auf der Puppe selbst arbeiten möchte, um beispielsweise Schnittmuster einzuzeichnen, sollte darauf achten. Für die Sichtbarkeit ist eventuell eine entsprechende Farbe notwendig – Ansonsten ist die Farbwahl eine reine Geschmackssache, die üblicherweise nur bei der Absicht, die Puppe auszustellen, berücksichtigt werden muss. Hat eine Büste ausgedient, weil sie zum Beispiel aufgrund unpassender Maße nicht mehr verwendet wird, kann sie auch entsprechend bekleidet als Dekoration verwendet werden.

Anschaffung und Tipps

Beim Kauf einer entsprechenden Schneiderbüste ist es wichtig darauf zu achten, ob es sich hierbei um Komplettsets handelt – Oftmals wird nämlich der dazugehörige Standfuß separat verkauft. Die Kosten können je nach Hersteller sehr unterschiedlich ausfallen. Vergleichsweise moderate Preise mit einer großen Auswahl gibt es hier. Das dortige Sortiment umfasst sowohl männliche, weibliche, Baby-, Kinder- und Schwangerenmodelle ab rund 20 Euro, als auch verstellbare Büsten ab etwa 125 Euro. Darüber hinaus werden auch die beschriebenen Lang-Modelle angeboten sowie Designer-Ausführungen mit aufwendigerer Optik.

Noch einmal alle wichtigen Daten und Fragen im Überblick:

  • Wie oft soll die Schneiderpuppe verwendet werden? Muss sie daher verstellbar sein?
  • Sollen Nadeln am Torso selbst befestigt werden (Styropor) oder darf die Oberfläche des Materials unter dem Überzug hart sein (PU-Schaum)?
  • Sind alle wichtigen Maße der betreffenden Person aufgenommen (Brust, Taille, Hüfte, Schulterbreite und Torso-Höhe)?
  • Ist der Überzug abnehmbar und waschbar? Wird für diesen eine bestimmte Farbe benötigt (z.B. zum Ausstellen oder für das Zeichnen mit Schneiderkreide)?

Wird die Büste dann eingesetzt, ist es besonders für Hobbyschneiderinnen, die zum ersten Mal mit einer arbeiten wichtig, dass zwischenzeitlich immer wieder anprobiert wird, da sonst schnell eine falsche Naht gesetzt werden kann – Was natürlich besonders ärgerlich ist, wenn tagelange Arbeit damit umsonst wird. Tipps, worauf beim Selbstnähen geachtet werden sollte und was dafür benötigt wird, gibt es übrigens hier.

Sind die Maße der Puppe an bestimmten Stellen wie der Taille zu schmal, kann eine zusätzliche Polsterung – beispielsweise mithilfe von Watte unterhalb des Bezugs – angebracht werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass dies durch vermehrtes Anprobieren und Vergleichen möglichst genau geschieht, da die Kleidungsstücke sonst nachträglich ebenfalls sehr aufwändig korrigiert werden müssen. Lesen Sie auf unserer Partnerseite schneidern und nähen mehr über die Verwendung einer verstellbaren Schneiderpuppe.

Bilder:
Abbildung 1: © Bukk – commons.wikimedia.org (CC0 1.0)
Abbildung 2: © Haabet – commons.wikimedia.org (CC0 1.0)

 

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